Am 8. Mai fand wieder ein legendärer Ausflug der FWV statt.
Best gelaunt und bei bestem Wetter ging es dieses Mal nach Neidlingen.
Schon am Parkplatz spielte Dietmar Hage seinen Joker aus und stelle uns ein Neidlinger Urgestein, den ehemaligen Bürgermeister Ulrich Rieker vor.
Bei seinem Amtsantritt 1962 war er mit 25 Jahren der jüngste Bürgermeister Baden Württembergs.
Nach 36 Jahren erfolgreicher Arbeit verabschiedete er sich in den Ruhestand.
Seine lange Amtszeit hat ihn fit gehalten.
Nach einen kurzen Begrüßung übernahm er die Führung der Gruppe und führte uns voller Elan den Erkenberg hinauf.
Der Weg war kurzweilig, denn Ulrich Rieker wusste viel Interessantes von seiner Heimat, seiner Dienstzeit und den Eigenschaften dieser Region zu berichten.
Auf einer Anhöhe angekommen, lüftete er auch das Geheimnis seines Segeltuchrucksacks und zauberte neben rustikalen Zinnbechern, auch die ersten örtlichen Geister zutage: Birnen- und -vor allem- Kirschgeist! Ein Genuss!
Der Platz bot ein ideales Panorama:
der Abtrauf zur Linken, im Süden der Reußenstein und rechts davon ansatzmäßig das Randecker Maar und schließlich die Limburg.
Durchsetzt von Kirschbäumen, die leider ihre Blütenpracht schon eingebebüßt hatten.
Tiefgefroren exportiert bis nach Japan, oder frisch auf schwäbischem Kuchen macht Neidlingen zum Nabel der Kirschwelt.
Obstbau- und Brennereitechnik, jede Facette um die heimische Kirsche wurde beleuchtet.
Herr Rieker verbannte die Geister zurück in ihre (fast leeren) Flaschen und der gemächliche Abstieg mit Ziel „Kugelmühle“ begann.
Diese war auch bald erreicht und Ulrich Rieker übergab uns - nach herzlichem Applaus - an den Kugelmüller Herrn Metzler.
Zugegeben- der fließende Bach mit ein paar kleinen Wasserrinnen und –rädern machte zuerst nicht viel her.
Aber je mehr der Müller erzählte und erklärte, desto spannender wurde der Ort.
Wir standen von der einzig funktionsfähigen Kugelmühle Deutschlands.
Der Beruf des Kugelmüllers wurde ursprünglich von einer Generation auf die nächste vererbt und somit das Wissen weitergetragen.
Kam es zu einem Bruch, ging das Wissen und die Fertigkeit verloren, was auch zu einem Aussterben dieses Berufs führte.
Herr Metzler kam „durch Zufall“ an diese vergessene Technik und erarbeitete sich während fast zwei Jahrzehnten wieder mühevoll dieses Handwerk.
Basierend auf traditionellen Methoden baute er mit speziell ausgesuchtem Buchenholz Mahlräder, die in einem alten Verfahren teilverkieselt und somit belastbarer hergestellt wurden.
Harte Sandsteinplatten mit exakt eingearbeiteten Rillenbahnen bilden das Gegenstück, in dem die Marmorrohlinge entlangkullern.
Nach einem Tag im Bach, das entspricht ca. 180 000 Umdrehungen entsteht aus dem Rohling eine Murmel.
Keine industriell gefertigte Glasmurmel besitzt diese Rundheit!
Die Beschaffenheit und Herkunft des Rohmaterials bestimmen die typische Farbe und Maserung der fertigen Kugel.
Sämtliche Vor- und Nacharbeiten finden in der Werkstatt, dem ehemaligen 120 Jahre alten Waschhaus statt.
Hier erhalten die Murmeln auch ihren letzten Schliff: eine Filzpolitur.
Nur Wenige konnten schließlich der Verlockung widerstehen, sich solch ein Unikat zu erwerben…
Die Zeit drängte und nach einem herzlichen Abschied führte unser Weg an schmucken Häusern vorbei durch den Ort, den man meist (leider) nur vom Durchfahren kennt.
Unser letztes Ziel : das Gasthaus Lamm. Dort wurden wir von einem netten Team erwartet und mit einem ausgezeichneten Essen verwöhnt.
Die Zeit vergeht in gemütlicher Runde viel zu schnell. Nach einem letzten obligatorischen Foto ging es wieder zurück nach Denkendorf.
Es war für uns alle ein wunderschöner Tag!
Herzlichen Dank allen Teilnehmern ----bis zum nächsten Ausflug im Herbst.