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Wirtschaftsförderung durch den Landkreis Esslingen
- Redebeitrag der Fraktion Freie Wähler in der
Sitzung des Kreistags am 18. April 2002 -
Niemand wird sich in der gegenwärtigen Wirtschaftslage
ernstlich dagegen aussprechen wollen, dass ein so
großer und wirtschaftsstarker Landkreis wie
Esslingen eine eigene Stelle für Wirtschaftsförderung
einrichtet. Gerade weil es sich um eine wichtig zu
nehmende Aufgabenstellung handelt, hat sich die Fraktion
Freie Wähler intensiv und durchaus auch kontrovers
mit dieser Thematik befasst. Es wurde eigens unter
der Leitung unseres Kollegen Wilfried Wallbrecht eine
Arbeitsgruppe eingerichtet, die die mögliche
Aufgabenstellung und die unterschiedlichen Lösungsansätze
bei den Städten und Landkreisen im Land untersucht
hat.
Man muss sehr wohl der Frage nachgehen, ob es Sinn
macht, dass der Landkreis angesichts des umfassenden
Angebots an Wirtschaftsförderungsaktivitäten
einen eigenen, finanziell sehr aufwendigen, Beitrag
leistet. Hinzuweisen ist auf die bestehenden Angebote
des Landes Baden-Württemberg, des Landesgewerbeaufsichtsamts,
der Wirtschaftsregion Stuttgart, der Kammern, der
Kreishandwerkerschaft, der Innungen und anderer Wirtschaftsverbände.
Zudem haben eine ganze Reihe von Städten eigene
Wirtschaftsförderer angestellt. In kleineren
Kommunen ist dies häufig Chefsache. Teilweise
ist selbst bei erfahrenen Kennern der Situation kaum
noch ein Überblick gegeben, sich überlagernde
Aktivitäten sind auch nicht hilfreich.
Die Praxis kommunaler Wirtschaftsförderer zeigt,
dass die Nachfrage aus der Wirtschaft selbst eher
zurückhaltend ist. Man handelt nach der zweifellos
richtigen Devise "Wirtschaft findet in der Wirtschaft
statt". In den vergangenen Jahren wurde in Kooperation
mit der Kreissparkasse Wirtschaftsförderung betrieben.
Bürgermeister a.D. Walter Straub konnte als Verbindungsmann
zwischen der Wirtschaftsregion und den Kommunen durchaus
gute Ergebnisse vorweisen, vor allem bei der Betreuung
des Standortkommunikationssystems. Es liegt aber in
der Natur der Sache, dass spektakuläre Ergebnisse
nicht erzielt werden konnten.
Dieser eher vorsichtigen Betrachtungsweise ist gegenüberzustellen,
dass der Landkreis durchaus eigenständige Aufgaben
im Bereich Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr
zu bewältigen hat. Immer wieder gibt es Veranstaltungen,
auf denen sich der Landkreis mit seinen unterschiedlichen
Zielsetzungen zu präsentieren hat. Zu erwähnen
ist die im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Stadt
Nürtingen durchgeführte Berlin-Ausstellung,
Wirtschaftsmessen oder die bevorstehende Landesgartenschau
in Ostfildern. Zu Recht erwarten die Öffentlichkeit
und die Wirtschaft hier eine professionelle und informative
Darstellung. Dies kann mit den vorhandenen Kräften
in der Verwaltung nicht ausreichend geleistet werden.
Mit Blick auf die mit der Kreisverwaltung vernetzte
Aufgabenstellung hat sich unsere Fraktion für
eine integrierte Lösung, das heißt für
einen beim Kreis angestellten Wirtschaftsförderer,
ausgesprochen. Für diesen Weg spricht die uneingeschränkte
Verfügbarkeit und die klare Weisungsbefugnis
des Landrats. Die von der Landkreisverwaltung favorisierte
Lösung der Beauftragung eines externen Trägers
hat andererseits den Vorteil, dass Erfahrungen in
der Wirtschaftsförderung mit eingekauft werden
und gleichzeitig eine befristete Anstellung im Sinne
eines Probelaufs möglich ist. Weil dieser Weg
für die Zukunft nichts verbaut, ist unsere Fraktion
bereit, das im Ausschuss für Technik und Umwelt
mit unserer maßgeblichen Beteiligung erarbeitete
Konzept mehrheitlich mitzutragen. Mit entscheidend
waren die Kompetenz der WRS (Wirtschaftsregion Stuttgart)
und deren günstiges Gesamtangebot.
Wir weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass
wir den jetzt eingeschlagenen Weg sorgfältig
beobachten werden und uns vorbehalten, nach Ablauf
der Probephase Korrekturen vorzunehmen. Wichtig ist
uns dabei eine Bewertung unserer Aktivitäten
durch die Wirtschaftsverbände und insbesondere
durch die Industrie- und Handelskammer.