›
Überzogene
Verkaufsflächen in Metzingen gefährden Einzelhandel
Fraktionsvorsitzender Alfred Bachofer zur
Verabschiedung des Kreishaushalts 2006
am 15. Dezember 2005
Der Haushalt, den wir heute verabschieden werden,
ist ein Etat der Zuversicht, mit nach vorne orientierten
Signalen. Er beschränkt sich nicht auf das Verwalten,
sondern setzt mit seinen Investitionen, vor allem
im Berufsschulbereich und Straßenbau wichtige
Impulse. Er ist, unabhängig von der Frage der
Kreisumlage, solide finanziert und unterstreicht die
Bedeutung der Landkreisebene auf dem Gebiet der Daseinsvorsorge.
Ich will aber keine zweite Haushaltsrede halten,
sondern gleich zum Kern der heutigen Beratungen, dem
Thema Kreisumlage kommen.
Es ist nicht zu bestreiten, dass ein Hauch von Ideologie
die verschiedenen Positionen kennzeichnet. Da nehme
ich keine Fraktion und auch die Verwaltung nicht aus.
Natürlich bemühen sich alle, der Wahrheit
möglichst nahe zu kommen. Dies scheint auch möglich,
denn weit liegt man nicht auseinander, auch die Verwaltung
hat sich bewegt.
Zur Wahrheitsfindung gehört eine Bewertung der
Fakten, Risiken und Chancen.
Fakten
• Die befürchtete Reduzierung der Bundesbeteiligung
an den Unterkunftskosten nach Hartz IV ist vom Tisch.
Immerhin ging es da für 2005 und 2006 um einen
Betrag zwischen 10 und 20 Mio €.
• Die Steuerkraft der Gemeinden ist 2006 die
gleiche wie 2001. Die Kreisumlage ist aber um 20 %
oder 30 Mio € gestiegen. Im Vergleich zu 1990
ist die Umlage von 74 auf 184 Mio € gestiegen,
das sind rd. 150 %, die Steuerkraft dagegen nur um
26 %. Land und Kreis haben 1990 noch 42 % der kommunalen
Steuerkraft abgeschöpft, jetzt sind es bereits
67 %. Ich hoffe ich konnte mit dieser einfachen Rechnung
auch der Grünen-Fraktion den – wie sich
deren Fraktionsvorsitzende auszudrücken pflegt
– richtigen Durchblick verschaffen.
• In den vergangenen Jahren haben Sie, Herr
Landrat Eininger, stets auf den absoluten Betrag der
notwendigen Kreisumlage abgehoben und nicht auf den
Hebesatz. Wenn das bei sinkender Steuerkraft richtig
ist, gilt das auch dann, wenn die Steuerkraft ein
Mal nach oben geht. Wir wollen uns jedenfalls in diesem
Jahr und in der Zukunft daran orientieren.
• Die höhere Steuerkraft 2004 haben die
Kommunen dringend gebraucht, um die Riesenlöcher
der zurückliegenden Haushalte zu stopfen. Nirgendwo
ist festgeschrieben, dass von einem solchen einmaligen
Zuwachs der Kreis gleich fast die Hälfte abschöpfen
muss.
• Der Landkreis will um ca. 4 Mio € über
die Mindestzuführungsrate hinausgehen. Davon
können die Gemeinden nur träumen, denen
2006 erneut ein schwieriges Jahr bevorsteht.
• Unser Vorschlag mit 181 Mio € Kreisumlage,
das entspricht 42,9 Punkten, verschafft dem Landkreis
einen gesetzmäßigen und damit genehmigungsfähigen
Etat. Die meisten Gemeindehaushalte sind dagegen defizitär
und nur mit Hilfe von Ersatzeinnahmen rechtmäßig.
Risiken
• Eine evtl. Kreditaufnahme von max. 4 Mio €,
die keineswegs kommen muss, ist angesichts eines Investitionsvolumen
von fast 20 Mio € verantwortbar.
• Die kommunale Familie wäre in jedem Falle
betroffen, denn wenn der Kreis mit Hilfe einer höheren
Kreisumlage Schulden vermeidet, müssen dies die
Gemeinden tun. Viele können dies schon aus rechtlichen
Gründen nicht mehr.
• Der Kreis geht kein Risiko ein, denn er kann
und wird einen höheren Finanzbedarf in der Zukunft
wieder über die Kreisumlage ausgleichen. Wir
stehen auch in einem solchen Fall zu unserer Aussage,
dass der absolute Finanzbedarf Maßstab für
die Umlagehöhe ist.
Chancen
• Die Gemeinden werden 2006 erneut in die Zange
genommen: Höhere Umlagen an Kreis und Land bei
gleichzeitig stagnierender, im Vergleich zu 2004 sogar
sinkender Steuerkraft. Die Talsohle scheint aber erreicht,
der erhoffte und wohl auch realistische Aufwärtstrend
verschafft in den kommenden Jahren wieder Luft. Dazu
trägt auch der Wegfall der Messeumlage bei, die
gegenwärtig verkraftet werden muss.
• Zurückhaltung bei der Kreisumlage verschafft
den Gemeinden Freiraum für dringend notwendige
Investitionen, ohne dass der Landkreis in seinem Handlungsspielraum
entscheidend eingeengt wird. Darin liegt auch ein
Signal an die Wirtschaft, denn es werden drohende
Steuererhöhungen vermieden.
Fazit
• Bei der von uns Freien Wählern beantragten
Höhe der Kreisumlage von 181 Mio € oder
42,9 Punkten geht der Landkreis kein Risiko ein. Den
Gemeinden gibt er die Chance zu Konsolidierung der
Haushalte und zu mehr Investitionen. Diese braucht
das Land.
• Alle öffentlichen Hände müssen
die Erkenntnis gewinnen, dass es nicht auf das Wünschenswerte,
sondern auf das Leistbare ankommt.
• Jede Ebene sollte die darunter liegende so
behandeln, wie sie selbst behandelt werden möchte.
• Zum berühmten gemeinsamen Boot gehört,
dass alle mitrudern – und zwar in die gleiche
Richtung. Das wollen wir mit unserem für Kreis
und Kommunen gleichermaßen verträglichen
Kompromissvorschlag erreichen und bitten um Ihre Zustimmung.
Ansprechpartner:
Alfred Bachofer
Paul-Gerhardt-Straße 31
72622 Nürtingen
Fon 07022/47 09 09
Fax 07022/24 10 69
Mail A.Bachofer@ntz.de