In der Kreistagssitzung
am 15.12.2000 stimmte die Fraktion der Freien Wählervereinigung
geschlossen dem Kreishaushalt 2001 zu. Fraktionschef
Rainer Gessler begründete die damit verbundene
Zustimmung zur Kreisumlage in Höhe von 36,5 %-Punkten
mit der Notwendigkeit einer nachhaltigen Schuldentilgung,
einer Art „Befreiungsschlag“, der die
Schuldenhöhe des Landkreises insbesondere im
Bereich der Abfallwirtschaft deutlich kappt und die
Zinslasten spürbar reduziert. Die Zustimmung
erfolgte auch deshalb, weil der Kreiskämmerer
in seiner Finanzplanung darlegen konnte, dass man
im Jahr 2002 mit maximal 33 %-Punkten rechnet und
weil die Kreisverwaltung ein Konzept bis 2004 vorgelegt
hat, mit weiteren Senkungen bis auf 30 %-Punkte.
Wörtlich sagte Gessler: „Mit diesem Konzept
zeigt die Verwaltung, dass sie ihre bisherigen Haushaltskonsolidierungsbemühungen
fortsetzt. Wir passen jedoch auf! Trotz dieser Aussage
ist unbestritten, dass Sie, Herr Landrat und Ihre
Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Kreistag in Sachen
Haushaltskonsolidierung bisher gute Arbeit geleistet
haben.“
In seinen weiteren Ausführungen ging Rainer
Gessler auf einige wichtige Punkte der Kreispolitik
ein. Die Abfallwirtschaft bezeichnete er als einen
ehemaligen Problemfall, der durch anhaltende Gebührensenkungen
wieder in normales Fahrwasser gekommen sei. Die weitere
Normalisierung im Zusammenhang mit Gebührensenkungen
sei durch die Ausschreibung der Abfallverträge
für die Zeit ab dem Jahr 2003 und durch enge
Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen möglich.
Ob sich durch die mögliche Teilprivatisierung
der AVL mittel- und langfristig Vorteile für
die Gebührenzahler ergeben, müsse sich noch
erweisen. Bisherige Beispiele seien eher nicht ermutigend.
Sorge bereitet den Freien Wählern nach wie vor
der Kostenanstieg im Sozial- und Jugendhilfebereich.
Die Steigerungen bei der Jugendhilfe seien immer noch
ungebremst und das trotz großer Anstrengungen
beim Landkreis und den Kommunen. Es werde auf allen
Ebenen erhebliches getan und es werde angesichts der
zunehmenden Probleme auch immer wieder ein „Nochmehr“
an Präventionsausgaben von Teilen des Kreistags
gefordert. Selbstverständlich würden sich
die Freien Wähler dem sinnvollen und notwendigen
Mitteleinsatz nicht versperren. Die sinnvolle Zusammenarbeit
des Landkreises mit den Kommunen in einem relativ
dichten Netz von Jugendhäusern und Jugendtreffs
müsse weiter verstärkt werden.
Zum Thema Schulsozialarbeit erklärte Gessler,
dass diese zu einer gesellschaftspolitischen Aufgabe
geworden sei und diese schulträgerbezogen gelöst
werden müsse. Der Landkreis müsse hier seiner
Aufgabe für die über 10.000 Schülerinnen
und Schüler an den Berufsschulen gerecht werden.
Die Freien Wähler bekennen sich zu dieser Verantwortung
und setzen sich dafür ein, die derzeit 3 besetzten
Stellen über die bisherige Befristung im Herbst
2001 hinaus zu sichern. Rainer Gessler kündigte
hierzu einen Antrag der FWV-Fraktion an.
Beim Thema Öffentlicher Personennahverkehr begrüßte
der Fraktionsvorsitzende außerordentlich, dass
das Schülerticket in der Region sehr schnell
Wirklichkeit geworden ist. Es sei dadurch eine nachhaltige
Attraktivitätssteigerung des ÖPNV für
die Schülerinnen und Schüler eingetreten.
Gessler sprach sich dafür aus, dass dieses Ticket
auch am Vormittag gültig sein soll und kritisierte
das öffentliche Sprachengewirr, das zeitweise
bei diesem Thema stattgefunden hat.
Begrüßt werde von den Freien Wählern
die Aufnahme der Stadt Beilstein in den Verkehrsverbund
Stuttgart sowie die neue Direktbuslinie Ludwigsburg
- Remseck - Waiblingen. Zur möglichen Reaktivierung
der Schienenstrecke Markgröningen - Ludwigsburg
begrüßte Gessler, dass die Region in Zukunft
bei diesem Projekt mit am Tisch sitzen wird. Die wichtigste
Frage dabei sei, ob die drei beteiligten Kommunen
diese Linie wollen. In diesem Fall sollte der Landkreis
nicht gegen eine Trägerschaft der Region sein.
Die neuen und deutlich höheren Bedarfszahlen
für Pflegeplätze im Landkreis Ludwigsburg
machten der FWV-Fraktion Sorgen. Die finanziellen
Auswirkungen von 500 bis 800 neuen Pflegeplätzen
in den nächsten 10 Jahren seien für den
Landkreis erheblich. Die endgültige Festlegung
müsse deshalb wohl überlegt und in der Folge
ständig überprüft werden. Gessler verwies
insbesondere auf die erfolgreiche Kleeblatt gGmbH,
indem er sich dafür aussprach, weitere interessierte
Städte und Gemeinden mit zusätzlichen Standorten
aufzunehmen. Für die übrige Abdeckung des
Bedarfs hielten die Freien Wähler Gespräche
mit freien Trägern für notwendig. Zum Kreisaltenheim
in Freudental bekräftigte Gessler, dass auch
die Freien Wähler am Standort Freudental festhalten.
Allerdings sehe man die sinnvollere Lösung in
einem Neubau und hinterfrage auch die Notwendigkeit
der Trägerschaft durch den Landkreis.
Zum Abschluss seiner Haushaltsrede lobte Gessler
insbesondere die Leistungen des Landkreises im Bereich
der Kliniken und der Berufsschulen. Hier habe man
eine sehr gute Infrastruktur geschaffen. Mit einem
Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des
Landkreises schloss er seine Haushaltsrede.