Haushaltsrede der Freien Wähler im Ortschaftsrat
Jesingen zum Haushaltsplanentwurf 2008
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
werte Kolleginnen und Kollegen,
meine Damen und Herren,
die allgemeine Stimmungslage in unserem Lande ist
wieder besser geworden. Die Arbeitslosigkeit ging
deutlich zurück und die Steuern bei Bund, Länder
und Kommunen sprudeln zurzeit deutlich besser als
in den vergangenen Jahren. Eine leichte Entspannung
der Gemeindefinanzen ist erkennbar. Dies äußert
sich auch dadurch, dass eine deutlich höhere
Zuführungsrate erwirtschaftet wurde. Auch wir
sind der Meinung, dass der leicht verbesserte finanzielle
Handlungsspielraum sehr sorgsam und mit dem notwendigen
Augenmaß verteilt werden muss. Nutzen wir gemeinsam
die sich daraus ergebende Chance für eine weitere
Verbesserung unserer Lebensqualität.
Doch nun zu den Themen, wo aus Sichtweite der Freien
Wähler in Jesingen noch der Schuh drückt.
Das Budget für den Teilhaushalt in Jesingen ist
unserer Meinung nach unauskömmlich. Die Mehrwertsteuererhöhung
sowie die wesentlich höheren Bewirtschaftungskosten
wie z.B. das Heizöl für die Sporthalle und
Schule mit ca. 10.000,-- € sowie Straßenbeleuchtung
mit ca.
5.000,-- € wurden leider von der Stadtverwaltung
wieder nicht berücksichtigt.
Die Folgen von der Art restriktiven Maßnahmen
wird ein noch höherer Substanzverlust an städtischen
Einrichtungen und Gebäuden in Jesingen sein.
Wir sind der Meinung, dass hier an der falschen Stelle
eingespart wird und fordern deshalb, wenigstens die
Mittel für die gestiegenen Energiepreise zusätzlich
bereitzustellen.
Wir beantragen deshalb eine Budgeterhöhung von
15.000,-- €.
Die Unterhaltung der Gräben und die Befahrbarkeit
der Feldwege ist uns ein wichtiges Anliegen.
Von der Stadtverwaltung wird der Mühlplatz immer
wieder als Juwel von Jesingen bezeichnet. Die Landschaft
– Wiesen, Felder und Wald – auf unserer
Gemarkung ist ein viel größerer Juwel für
Mensch und Tier.
Die Landwirtschaft in Jesingen hat mit ihrer Bewirtschaftung
einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass große
Flächen für Naturschutzgebiete und Vogelschutzgebiete
so interessant wurden.
Das Beispiel Projektgebiet Jesinger Halde zeigt, wie
teuer es für die Gesellschaft wird, wenn keine
florierende Landwirtschaft mehr vorhanden ist.
Wir Freien Wähler beantragen für den Erhalt
unseres Juwel im Außenbereich 15.000,-- €
als Sonderbedarf im Haushalt einzusetzen, um dringende
Unterhaltungsmaßnahmen wie Gehölzerrückschnitt,
Grabenpflege usw. durchführen zu können.
Dieses Jahr war im Jesinger Mitteilungsblatt zu lesen,
dass der Sportbetrieb in der Sporthalle bei starken
Niederschlägen nicht weiter aufrechterhalten
werden kann. Turniere oder sonstige Sportveranstaltungen
würden dann buchstäblich ins Wasser fallen.
Dies kann so nicht sein. Wir beantragen deshalb für
den Einbau von neuen Lichtkuppeln 20.000,-- €.
Sollte das Hallendach danach immer noch undicht sein,
müssten Mittel für eine kurzfristige Dachsanierung
bereitgestellt werden.
Die Ortsmitte Jesingen wurde als Sanierungsgebiet
anerkannt und mit den entsprechenden finanziellen
Mitteln ausgestattet. Dieser Glücksfall, wie
es unsere sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin
in ihrer Haushaltsrede formulierte, bescherte uns
fortlaufend die Einstellung von
100.000,-- € Fördermitteln im Haushalt.
Diese Mittel sind für die Sanierung von Gebäuden,
leider nicht für Abbruch und Neubau vorgesehen
und warten auf Ihre Antragsteller (Bauherren). Das
Ende des Sanierungsprogramms ist für 2014 geplant.
Leider wurde die Bereitstellung der Mittel für
den Grunderwerb eines möglichen Standorts für
betreutes Wohnen durch den Eintrag eines Sperrvermerks
im Haushaltsplanentwurf 2008 an den direkten Wiederverkauf
an einen Investor gekoppelt. Diese Vorgehensweise
ist aber unserer Meinung nach in der Praxis nicht
durchführbar. Da auch in Jesingen die biologische
Uhr tickt, müssen wir heute handeln, damit wir
morgen ein entsprechendes Angebot an altersgerechtem
Wohnen anbieten können. Dies oder gerade auch
vor dem Hintergrund einer gedeihlichen Entwicklung
unserer Ortsmitte. Um dieses Ziel verwirklichen zu
können, muss die Verwaltung auch hier eine
Grundstücks-Vorhalte-Politik betreiben. Wir beantragen
deshalb die notwendigen finanziellen Mittel von 780.000,--
€ für die erforderlichen Grundstückskäufe
bereitzustellen. Durch den späteren Verkauf der
Grundstücke fließen diese Mittel wieder
zurück in die Stadtkasse.
Im vorliegenden Haushaltsplanentwurf sind Mittel für
die Dorfentwicklung, Straßenbau in 2009 und
2010 von 500.000,-- € vorgesehen. Wir gehen davon
aus, dass die notwendigen Planungen rechtzeitig zur
Ergebnisfindung vorgestellt werden.
An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, dass
entgegen den Ausführungen unserer sehr geehrten
Frau Oberbürgermeisterin in Ihrer Haushaltsrede
vom Ortschaftsrat keine Sanierung der Schönbergstrasse
geplant ist. Insofern steht innerhalb des Ortschaftsrats
keine Entscheidung bezüglich Ausbau Schönbergstrasse
oder Kreuzung Rathaus/Kirche an.
Beim Thema Farrenstall Jesingen schütteln immer
mehr Bürgerinnen und Bürger den Kopf. Unbegreiflich
für alle, dass es hier nicht weitergeht. Seit
ca. 3 Jahren steht das Gebäude leer herum und
kann nicht verkauft werden. Wir fragen uns, wie ernst
nimmt die Verwaltung das Thema Haushaltskonsolidierung
wirklich?
Für uns Freie Wähler hängt an diesem
Projekt auch ein Stück Herzblut zur Dorfentwicklung,
mit einem Mühlenladen und dem längst überfälligen
Fußweg von der Schule zum Sportgelände
Lehenäcker. Wir fragen uns: Was läuft hier
verkehrt?
Ortschaftsrat und Gemeinderat hatten sich schon mehrmals,
teilweise in heftigen Wortgefechten, für das
Projekt Farrenstall und Mühle eingesetzt. Es
wurde von allen Rednern gefordert, dass sich die Verwaltungsspitze
mit dem Familienbetrieb an einen Tisch setzt und Lösungen
ausarbeitet. Aber – irgendwie scheint hier das
Sprichwort: „Wo ein Wille ist, ist auch ein
Weg“ für unseren Schulweg nicht zuzutreffen.
Gebetsmühlenhaft fragen wir in unseren Ortschaftsratsitzungen
immer wieder nach dem Stand der Verhandlungen nach
– bis heute ohne Erfolg!
Sie, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin möchten
wir heute in Jesingen fragen:
1. Was läuft hier nicht richtig?
2. Warum kommt man nach jahrelangen Verhandlungen
zu keinem Ergebnis?
3. Was muss getan werden, dass dieses Thema für
alle Beteiligten zu einem guten Ergebnis führt?
4. Was können wir als Ortschaftsrat noch tun?
Um der von Ihnen, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin
in Ihrer Haushaltseinbringung geforderten zügigen
Umsetzung von Maßnahmen in unserem Sanierungsgebiet
auch von kommunaler Seite gerecht zu werden, wäre
es dringend notwendig, den Neubau oder die Sanierung
des Rathauses - wie seit vielen Jahren gefordert -
in Angriff zu nehmen. Unseres Erachtens muss an dieser
exponierten Lage ein den städtebaulichen Anforderungen
gewachsenes Gebäude entstehen, welches dieses
Filetgrundstück in neuem Glanz erstrahlen lässt.
Sollte die Stadt zurzeit finanziell nicht in der Lage
sein, dieses Projekt zu stemmen, könnte das Gebäude
auch als Wohn- und Geschäftshaus in Teileigentum
gebaut werden. Die Arbeitsgruppe Ortskernsanierung
konnte sich anlässlich der Besichtigung vom Rathaus
Neckarhausen informieren, wie mit geringen finanziellen
Mitteln eine gute Lösung gefunden werden könnte.
Wir fordern daher eine konkrete Planung in 2008 für
das neue Rathaus Jesingen. Auch sei hierbei an die
Vorbildfunktion der Kommune bezüglich zügiger
Entwicklung der Ortsmitte erinnert!
Ein wichtiges Thema für die Attraktivität
der Ortsmitte von Jesingen ist die Sicherung und Weiterentwicklung
der Grundversorgung, speziell im Lebensmittelbereich.
Das von der Verwaltung in Auftrag gegebene GMA Gutachten
kommt in seiner Potenzialanalyse zum Ergebnis, dass
zwar der Bedarf für einen konventionellen Lebensmittel
SB-Markt nicht gegeben ist, jedoch eine Angebotskonzentration
im Sinne einer Ladengemeinschaft (One-Stop-Markt)
durchaus vorstellbar wäre.
Wir nehmen zustimmend zur Kenntnis, dass die Ortschaftsverwaltung
beabsichtigt, im Dialog mit den Besitzern des Lebensmitteleinzelhandels
bzw. Lebensmittelhandwerks die Chancen und Möglichkeiten
im Sinne des GMA Gutachten auszuloten. Im Sinne einer
nachhaltigen Nahversorgung für Jesingen wäre
aus Sicht der Freien Wähler die Bildung einer
Interessengemeinschaft ähnlich City-Ring in Kirchheim/Teck
wünschenswert.
In der Vergangenheit kam es in der Schönbergstrasse
durch eine Gruppe Jugendlicher immer wieder zu Beschwerden
aus der Bürgerschaft. Bei der Lösungsfindung
für diese Situation wurde von privater Seite
mit Unterstützung des städtischen Sozialamts
ein Bauwagen gefunden. Es ist sehr zu begrüßen,
dass die Jugendlichen ihren Bauwagen eigenverantwortlich
renoviert und ausgebaut haben. Zwischenzeitlich ist
der Bauwagen auf dem Jugendtreffgelände Lehenäcker
beheimatet.
Damit sich dieses Projekt nachhaltig entwickeln kann,
ist es unserer Ansicht nach notwendig, wie vom Ortschaftsrat
gefordert, dass es sozialpädagogisch durch städtische
Mitarbeiter begleitet und unterstützt wird.
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
Sie haben in Ihrer Haushaltsrede u. a. zum Ausdruck
gebracht, dass für Sie die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter der Verwaltung keinen Kostenfaktor darstellen,
sondern das notwendige und wichtige Kapital um das
Unternehmen Kirchheim (einschl. Ortsteile) erfolgreich
in die Zukunft führen zu können.
Wir nehmen diese Steilvorlage gerne zum Anlass, um
nochmals unsere unveränderte Meinung zum Thema
Beibehaltung des hauptamtlichen Ortsvorstehers mit
Ortschaftsverwaltung zum Ausdruck zu bringen. Die
gute Verwaltungsarbeit in Jesingen und die vorhandene
Identität innerhalb der Bürgerschaft äußert
sich auch durch eine besonders gut ausgeprägte
Vereinslandschaft und wenig sozialer Brennpunkte.
Der Stadtverwaltung wird dabei so mancher Euro durch
ehrenamtliches Engagement eingespart.
Bleibt zu hoffen, dass bei den anstehenden Beratungen
im Vermittlungsausschuss diese Gedanken/Überlegungen
mit einfließen.
Abschließend darf ich mich im Namen der Freien
Wähler bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
der Ortschafts- und Stadtverwaltung für die angenehme
und konstruktive Zusammenarbeit im zurückliegenden
Jahr bedanken.
Ich wünsche uns allen gute Beratungen und bedanke
mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Für die Freien Wähler Jesingen
Walter Feeß
05.11.2007
Anträge der Freien Wähler zum Haushaltsplanentwurf
2008
Finanzanträge
1. Erhöhung des Budget für den Teilhaushalt
Jesingen im
Verwaltungshaushalt um 15.000,-- €
Sonderbedarfe Verwaltungshaushalt
2. Unterhaltung Feldwege 15.000,-- €
Beseitigung von Junghölzern, Gehölzrückschnitt,
Grabenpflege
3. Sportanlage Lehenäcker für die Erneuerung
der
Lichtkuppeln im Vermögenshaushalt 20.000,-- €
4. Vorbereitender Grunderwerb
Ortskernsanierung (Seniorenwohnen, spätere Ver-
Äußerung an Investor) im Vermögenshaushalt
780.000,-- €
Berichtsanträge
5. Bericht über den Stand Verkauf Farrenstall
und weitere
Vorgehensweise der Verwaltung
6. Bericht über den Grundstückskauf für
den neu zu bauenden
Fußweg von der Schule zur Sportanlage Lehenäcker
7. Rathaus Jesingen Auftrag an die Verwaltung:
Ausarbeitung eines Nutzungskonzepts, Neubau oder Sanierung,
Bildung von Teileigentum zur Finanzierung z.B. Rathaus
Neckarhausen
8. Aufbau und Fortführung des Dialogs mit den
Besitzern des Jesinger Lebensmitteleinzelhandels mit
dem Ziel einer nachhaltigen Nahversorgung
9. Umsetzung des Ortschaftsratsbeschlusses bezüglich
Bauwagen Jesingen, professionelle Betreuung
10. Beibehaltung des hauptamtlichen OV mit Ortschaftsverwaltung
Für die Freien Wähler Jesingen
Walter Feeß
05.11.2007