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› HH-Rede Ötlingen 2008
Haushaltsrede der Freien Wähler im Ortschaftsrat Ötlingen zum Haushaltsplanentwurf 2008

Sehr geehrte Frau Matt-Heidecker, sehr geehrte Herren Riemer, Sedlacek-Kohl, Kurz, meine Damen und Herren,

wieder ist ein Jahr ins Land gegangen, und leider sind im Hinblick auf Ötlingen eine Reihe uns stark beschäftigender „Altlasten“ oder „heiße Eisen“ immer noch nicht vom Tisch. Doch da man Erfreuliches immer zuerst erwähnen soll, lassen Sie mich zunächst auf ein paar positive Entwicklungen zu sprechen kommen.
Sehr begrüßt haben wir die Bereitschaft von BM Riemer und einer Reihe von Amtsleitern, im September zusammen mit dem OR den Rundgang in Ötlingen mit anschließender Aussprache vorzunehmen, um Ansatzpunkte und Potenziale einer städtebaulichen Weiterentwicklung Ötlingens und einige neuralgische Punkte aufzuzeigen. Leider machte der später einsetzende Regen einen Strich durch die Rechnung, so dass einige Problempunkte „virtuell“ im Rathaus abgehandelt werden mussten. Es steht zu hoffen, dass die seinerzeit gewonnenen Erkenntnisse in nicht allzu ferner Zeit weiterverfolgt werden.
Ebenfalls positiv wird von unserer Seite vermerkt, dass im Fokus der S-Bahn-Einrichtung Ende 2009 für die Neugestaltung des Ötlinger Bahnhofsumfelds und die Park-and-Ride-Planung für das kommende Jahr 30.000 € und bis 2010 insgesamt 400.000 € eingestellt sind. Diese Ansätze sollten dann aber auch voll ausgeschöpft werden.
Des weiteren ist aus unserer Sicht erfreulich, dass das auf Ötlingen bezogene Projekt des Grünflächenamts und der Büros Frank und Thiede „Frei- und Bewegungsräume“ nach Anhörung und Beschlussfassung so schnell in die Phase der Umsetzung eingetreten ist und bereits im laufenden Jahr erste Ergebnisse von bereits sechs in 2007 durchgeführten Maßnahmen sichtbar sind. Drei weitere sind noch für 2007 vorgesehen: die Erstellung des Ballfangzauns im Dornwald, die Zuordnung eines Teils der Grünfläche des Festplatzes an der Uracher Straße zum Kindergarten, damit Ball- und Gruppenspiele möglich werden und die Abgrenzung des Vorplatzes des Check-In gegen die Schotterfläche durch mobile Elemente. In 2008 soll die Umsetzung einer Reihe weiterer Maßnahmen erfolgen. Hier hätte von unserer Warte aus als Aufgabenschwerpunkt die Verbesserung der Straßenraumsituation der Lindorfer Straße im Bereich der EMS mit den unsäglichen Pflanzkübeln eine Priorität, wofür im Finanzplan 40.000 € vorgesehen sind.
In diesem Zusammenhang noch zwei Fragen: Sind die rund 230.000 Euro (Finanzplan Seite 178), die für Planung und Realisierung teilweise bereits aufgewendet wurden, teilweise noch bis 2011 veranschlagt sind, ausschließlich auf Ötlingen bezogen oder wird das Projekt „Frei- und Bewegungsräume“ noch auf andere Stadtteile ausgeweitet?
In die lang versprochene Überarbeitung des Bebauungsplans „Halde 1 “ scheint ja jetzt Bewegung zu kommen und sie soll nach Aussage der Verwaltung im ersten Quartal 2008 „auf die Rampe geschoben“ werden. Hierbei ist uns die Schaffung eines marktgerechten Angebots von Bauplätzen für Einfamilien- oder Doppelhäuser überaus wichtig, weil dies unseres Erachtens Voraussetzung für eine bessere Vermarktung ist.
Weiterhin freut es uns, dass der Radweg Wielandstraße – Kernerstraße – Hegelstraße mit einem Aufwand von 130.000 € kommen soll, wobei es uns vor allem auf den Durchstich von der Kernerstraße zur Hegelstraße ankommt. Frage: Wird dies auch so durchgeführt?
Positiv vermerkt hat unsere Fraktion das schnelle Handeln des Tiefbauamts nach einer Eingabe von Anliegern im Bereich Steingrubenweg /Unterführung Bahnlinie, wo künftig durch die Verlegung breiterer Abflussrohre beziehungsweise einer Birko-Rinne die Gefahr einer Überflutung von Kellern bei Starkregen verhindert werden soll.
Die Einrichtung einer 50%-Stelle für Schulsozialarbeit an der Eduard-Mörike-Schule mit eingestellten 3.420 € für Sachkosten und 29.000 € für Personalkosten in 2008 ist mit Sicherheit ein notwendiger Schritt, um schwierige Ötlinger Hauptschüler im Nachmittagszeitraum besser zu „erreichen“, zum Beispiel um Hausaufgaben zu betreuen und sozialpädagogische Angebote zu machen. Nachdem die EMS zweimal zu Gunsten anderer Hauptschulen im Stadtgebiet zurückgezogen hat, ist die Maßnahme unseres Erachtens überfällig und wir befürworten sie mit Nachdruck. Noch besser hätten wir es gefunden, wenn aus dem Antrag auch hervorginge, welche Aufgabenschwerpunkte die avisierte Schulsozialarbeit aus Sicht der Schule zu leisten hat. Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre es natürlich gut, wenn diese Stelle nicht nur auf ein Jahr befristet, sondern auch für die Folgejahre eingerichtet würde.
Und zum Abschluss der „Positivliste“:
Die Friedhofserweiterung für doppeltiefe Wahlgräber mit einer Veranschlagung von 95.000 € halten wir für wichtig und richtig.

Neben den genannten erfreulichen Themenkomplexen gibt es auf der anderen Seite doch eine „Bugwelle“ von Unerledigtem. Hier ist in erster Linie die langsam schon peinliche „Hängepartie“ rund um die Sanierung der Eduard-Mörike-Halle zu nennen. Nachdem 2006 schon einmal „vertagt“ worden war, sollte für spätestens August 2007 hier die Konzeption eines „Genossenschaftsmodells“ seitens der Verwaltung vorgestellt werden, was jedoch wieder nicht erfolgt ist. Stattdessen sind die 20.000 € von 2007 für Planungsaufgaben einfach um ein Jahr „fortgeschrieben“ worden, was die Dinge nicht wirklich voranbringt. Offensichtlich waren vor einiger Zeit zwei Fraktionen des Gemeinderats zu einer Art „Lokaltermin“ vor Ort in der Mörike-Halle, die dem Vernehmen nach nicht viel Beanstandenswertes vorgefunden haben. Diese erstaunliche Erkenntnis steht allerdings im krassen Widerspruch zu der vor einigen Jahren von Ortsvorsteher Kik erstellten Fotodokumentation, auf der eine lange Reihe eklatanter Mängel ersichtlich waren. Von einem weiteren Zuwarten und einer weiteren Verschiebung nötiger Sanierungsmaßnahmen auf den „Sankt-Nimmerleinstag“ halten wir jedenfalls nichts, da sich noch immer gezeigt hat, dass die „Taktik des Verschiebebahnhofs“ in letzter Konsequenz zu erheblich teureren Lösungen führt. Aus diesem Grund sprechen wir uns mit Nachdruck dafür aus, im Zeitraum 2009 bis 2011 oder 2012 die Halle auf der Grundlage der Kernelemente der ehemaligen Planung des Büros Dolde zu sanieren und dafür feste Summen in angemessener Größenordnung in den Finanzplan einzustellen.
Wir bedauern des Weiteren sehr, dass die Investorensuche für den Platz südlich des Rathauses bis dato offensichtlich im Sand verlaufen ist. Unsere Fraktion findet dies auch deshalb schade, weil im Teilort Jesingen die Sanierung der Ortsmitte mit einem Gesamtvolumen von rund einer halben Million Euro mit Volldampf betrieben wird. Unseres Erachtens reicht in Ötlingen das Aufstellen eines Schilds mit den Grundstücksdaten hier nicht aus, sondern es müsste eine offensivere Vermarktungsstrategie ins Werk gesetzt werden, eventuell auch über einen investorenfreundlicheren Preis. Für das Stadtsäckel des Kämmerers wäre hier mittelfristig der „Spatz in der Hand“ sicher besser als die „Taube auf dem Dach“. Für Jesingen, so heißt es auf Seite 203 des Planentwurfs, lege die Stadt (Zitat) „den konzeptionellen Schwerpunkt auf die Schaffung mittelbarer Investitionsanreize in Gestalt nutzungs- und funktionsgerechter Wohnumfeld- und Freiflächengestaltung“ (Zitat Ende). Frage eins: Wäre ein solch engagierter Einsatz nicht auch für die Ötlinger Ortsmitte denkbar? Frage zwei: Welche Strategie verfolgt hier das Amt für Wirtschaftsförderung?
Auf der Zufahrtsstraße zur Sportanlage „Rübholz“ haben sich vor allem rechts der Straße in Richtung „Rübholz“ nach der Brücke über den Duppiggraben durch den intensiven Begegnungsverkehr wieder wannenartige Auskofferungen gebildet, die dringend ausgebessert werden müssten. Es reicht nicht, wie an einer Stelle geschehen, einen Kübel Asphalt hinzukippen und das war’s dann!
In ähnlichem Zusammenhang eine Bemerkung zum Kapitel „Ötlinger Feldwege“ und deren Erhaltung und Instandsetzung. Unserer Logik erschließt sich nicht, warum hier „kleckerlesweis“ nach dem Gießkannenprinzip von 2008 bis 2011 die Einzelbeträge von 5.625 € eingesetzt sind, obwohl die Liste der Feldwege, an denen dringend etwas gemacht werden müsste, bekannt ist. Zuwarten heißt für uns auch hier, dass sich die Mängel verstärken und das Ganze dadurch letztendlich in punkto Baustelleneinrichtung und Baustellenaufsicht teurer wird.

Zum Schluss noch eine Reihe von Merkposten, die aus unserer Sicht nicht aus dem Blick geraten sollten:
? Ist die von Herrn Riemer zugesagte Prüfung der Möglichkeit eines Kreisverkehrs in der Ötlinger Ortsmitte erfolgt?
? Wäre die Einrichtung einer Fußwegbeziehung zwischen Rosenstraße und Stuttgarter Straße denkbar?
? Wird die Sanierung der Gebäude der unteren Stuttgarter Straße wie in der Maisitzung von der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH und dem Büro Wick & Partner vorgestellt, weiterverfolgt oder war das „eine Sache für den Papierkorb“ und mittlerweile bereits wieder Makulatur? Wie steht es hier mit der Wahrnehmung des Vorkaufsrechts seitens der Stadt, was nach unserer Auffassung erst Handlungsspielräume eröffnen würde?
? Vor Jahren war einmal ein Parkierungskonzept auf der Südseite des Schulgeländes der EMS angedacht worden? Ist dies mittlerweile „Schnee von gestern“, nachdem nun der Schulhof zur Hälfte in Parkplätze umgewidmet wurde?

Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit!
Dr. Ernst Kemmner – Dr. Herbert Landthaler – Klaus Moosmann