Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrter Herr Bürgermeister,
meine Damen und Herren,
der für 2006 geplante Haushalt liegt im Entwurf
vor. Die darin enthaltenen Aussagen werden durch die
von Herrn Stadtkämmerer Remshardt erarbeitete
Haushaltsanalyse nachhaltig belegt. Bei genauer Betrachtung
dieser beiden Werke kann man sich des Eindrucks nicht
entziehen, dass sie Ihren Vorgängern bezüglich
der Finanzsituation sehr ähnlich sind.
Da die finanzielle Situation der Kommunen mit der
des Bundes und der Länder gekoppelt ist, erlauben
sie mir auch dieses Jahr einen Exkurs auf Bundesebene.
Bei den Vorbereitungen zur diesjährigen Haushaltsrede
ist mir aufgefallen, dass vieles von dem, was wir
bereits im Vorjahr angesprochen haben, nach wie vor
zutrifft.
Durch das Unterlassen zukunftsorientierter Entscheidungen
in Berlin hat sich die finanzielle Situation des Bundes
leider nicht verbessert. Noch immer erhöht sich
die Schuldenlast des Bundes Jahr für Jahr und
liegt nun bei über 1,4 Billionen €. Anstatt
für die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu
investieren, muss der Staat Jahr für Jahr von
den geringer werdenden Steuereinnahmen immer mehr
für den Schuldendienst aufbringen. Ein Weg in
die falsche Richtung, wie wir meinen.
Wenn es nicht bald gelingt, die dringend notwendigen
Reformen zu beschließen und diese zeitnah umzusetzen,
sehen wir die Eckpfeiler unserer Sozialsysteme in
Gefahr.
Der Haushaltsplan-Entwurf der Stadt umfasst Einnahmen
und Ausgaben von round about 93 Mio. €. Davon
entfallen allein auf den Verwaltungshaushalt ca. 80
Mio €. Da bleibt nur das unbedingt Notwendigste
für Investitionen im Vermögenshaushalt übrig.
Diese Investitionen sind für den Erhalt bzw.
Schaffung neuer Arbeitsplätze, mit den sich ergebenden
Impulsen für Handel und Wandel und die sich daraus
wiederum ergebenden Steuereinnahmen unabdingbar.
Die finanzielle Situation der Stadt ist immer noch
sehr angespannt. Damit der Haushalt dem Haushaltsrecht
überhaupt entspricht, mussten leider in vielen
Bereichen Kürzungen vorgenommen werden. Ohne
den Einsatz städtischen Vermögens - wie
Erlöse aus Grundstücksverkäufen bzw.
Rücklagenentnahmen aus dem Verkauf der Neckarwerksaktien
– wäre dies nicht möglich gewesen.
Gegenüber dem Vorjahr sieht der Entwurf erfreulicherweise
eine Zuführungsrate vom Verwaltungshaushalt an
den Vermögenshaushalt mit ca. 1 Mio. € vor.
Dies reicht jedoch nicht aus, die ordentlichen Tilgungen
für den Schuldendienst voll abzudecken. Eine
geringe negative Investitionsrate von ca. 123.000
€ ist die Folge.
Damit dies kein Dauerzustand bleibt, muss gleichzeitig
bei der Einnahmen- wie Ausgabenseite optimiert bzw.
angepasst werden.
Bei den Aufwendungen für den sächlichen
Verwaltungs- und Betriebsaufwand werden gegenüber
2005 über eine Viertel Mio € eingespart.
Durch die Einrichtung einer Stabsstelle für Wirtschaftsförderung,
Gebäudemanagement und der betriebswirtschaftlichen
Ausrichtung des neuen Baubetriebsamt sehen wir durchaus
eine Chance, nach anfänglichen Mehrkosten letzten
Endes deutliche Kosteneinsparungen zu erzielen. Speziell
beim Gebäudemanagement sehen wir ein bedeutendes
Einsparungspotential.
Mehreinnahmen durch Gebührenerhöhung, wie
z. Bsp. beim Abwasser, Bestattungswesen und Kindergarten
können wir grundsätzlich mittragen –
wenn sie mit Augenmaß angepasst werden und nachvollziehbar
sind. Bei Kindergarten-Beitragserhöhungen sollte
aber unserer Meinung nach ein anderer Maßstab
zugrunde gelegt werden, denn ohne Kinder keine Zukunft.
Um einen angemessenen Kostendeckungsbeitrag zu erreichen,
wird den Kommunen mittelfristig nichts anderes übrig
bleiben, als ihre Gebühren anzupassen und vermehrt
nach dem Grundsatz zu handeln, wer bestellt muss auch
zahlen.
Ein Dauerthema ist die Überprüfung städtischer
Immobilien und Grundstücke bezüglich Ihrer
Notwendigkeit bzw. Wirtschaftlichkeit. Ein Verkauf
der einen oder anderen Immobilie spart evtl. hohe
Sanierungskosten und spült zusätzlich Einnahmen
in die Stadtkasse.
Beim Thema Steuererhöhungen sehen wir jedoch
rot.
Ich möchte unsere Meinung anhand eines Beispiels
verdeutlichen:
Damit ein Mitarbeiter in einer Firma 1 € verdient,
muss der Betrieb mit den Lohnnebenkosten und sonstigen
Kosten ca. das Doppelte, also 2 € erwirtschaften.
Zieht man nun noch die Verbrauchssteuern wie sie z.B.
beim Kraftstoff, Zigaretten, Alkoholika usw. anfallen
ab, verbleiben dem Mitarbeiter gerade mal 20 –
30 Cent zum Einkaufen und Investieren. Dies zeigt
unserer Meinung nach sehr deutlich, wie viel Steuerlast
jeder Einzelne zu tragen oder besser zu ertragen hat.
Trotzdem reichen diese hohen Steuereinnahmen noch
nicht aus, wie sonst müsste der Staat auch dieses
Jahr wieder ca. 30 Mrd. € neue Schulden machen.
Hier zeigt sich überdeutlich ein Fehler im System.
Angesichts dieser Situation wären zusätzliche
Steuererhöhungen der falsche Weg. Der umgekehrte
Weg muss eingeschlagen werden, damit dem Bürger
und den Firmen mehr Geld und damit mehr Investitionskraft
verbleibt. Dies schafft wiederum Arbeitsplätze
und weniger Sozialausgaben bei den Kommunen. Aus diesem
Grund sind wir auch gegen eine Gewerbesteuererhöhung.
In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass
so manches Vereinsfest oder Schulprojekt ohne die
Unterstützung von Gewerbebetreibenden wohl kaum
möglich wäre.
Mit Zufriedenheit nehmen wir zur Kenntnis, dass die
Zuschüsse an die Vereine zunächst fortgeschrieben
werden. Wir alle wissen, wie wichtig gut funktionierende
Vereine für unser Allgemeinwohl sind und speziell
bei der Jugendarbeit einen unersetzlichen Beitrag
leisten. Eine Reduzierung der Zuschüsse könnte
sich nachhaltig negativ auswirken.
Bund, Länder und Landkreise bedienen sich durch
die kaum mehr zu überbietenden Umlagebelastungen.
Diese sind im Jahr 1990 von ca. 23 % auf nunmehr 30
% des Verwaltungshaushalts 2006 gestiegen. Dies entspricht
Ausgaben von ca. 23 Mio €. Diese Kostensteigerungen
sind nicht mehr finanzierbar. Speziell die Kreisumlage
hat sich in den letzten 10 Jahren um ca. 50 % erhöht.
Hierbei schlagen die dramatische Entwicklung der Sozialausgaben
auf die Stadt voll durch. Hier muss unter allen Umständen
der Hebel angesetzt werden. Wir bezweifeln, dass diese
zu hohen Belastungen auf Dauer bezahlbar sind. Hier
besteht dringender Handlungsbedarf.
Wir Freien Wähler aus Jesingen wollen gerne unseren
Teil für den von Frau Oberbürgermeisterin
Matt-Heidecker beschriebenen Maßanzug ohne Nahtzugabe
beitragen. Wir haben deshalb unsere Wünsche und
Forderungen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduziert.
Bitte haben Sie jedoch Verständnis, dass auch
wir hier in Jesingen auf die Unterstützung der
Stadtverwaltung vertrauen.
Wir haben auch dieses Jahr wieder einige Anträge
bzw. Anregungen.
Diese sind im Einzelnen
im Vermögenshaushalt
im Ansatz
1. Kindergarten Reußenstein
Für die Sanierung in 2006 € 30.000,--
für 2007 eine Verpflichtungsermächtigung
von € 242.000,--
2. Sporthalle Lehenäcker
Reduzierung der Kosten für 6 Duschen
von € 36.000,-- auf € 10.000,--
Ersparnis € 26.000,--
3. Kanalisationsneubau
Anschluss im Außenbereich Jesingen Espenlauh
Ausführung der Maßnahme kann evtl. um 1-2
Jahre
zurückgestellt werden!
Planungsrate 2006 € 20.000,--
Gesamtinvestitionsbedarf € 185.000,--
4. Gemeindehalle Jesingen
Sanierung und Erneuerung der Küche
Antrag Wiederaufnahme der notwendigen Mittel
entsprechend der Kostenschätzung Sitzungsvorlage
€ 300.000,--
Zum Thema Verpflichtungsermächtigung möchte
ich aus
der Gemeindeordnung § 86 Abs.2 zitieren:
Die Verpflichtungsermächtigungen dürfen
zu Lasten der dem
Haushaltsjahr folgenden drei Jahre veranschlagt werden,
erforderlichenfalls bis zum Abschluss der Maßnahme.
5. Grundstückserlöse Jesingen
Es wurden € 25.000,-- eingestellt
Nach unserem Kenntnisstand gibt es noch 4 städtische
Grundstücke
im Leiblensbett zu verkaufen.
Gemäß OR-Beschluss soll in 2006 über
eine eventuelle Lockerung
der Vergabekriterien diskutiert werden. Wir Freien
Wähler könnten
uns eine Lockerung der Vergabekriterien durchaus vorstellen.
Mit den Mehreinnahmen gegenüber dem Ansatz 2006
könnten z.B.
die Kosten für die Sanierung der Küche in
der Gemeindehalle
ausgeglichen werden.
im Verwaltungshaushalt
Die Fassade des Jesinger Rathauses muss dringend
ausgebessert und gestrichen werden.
Erhöhung des Haushaltsansatzes
Gebäude VS Jesingen um 10.000 €
Der Sonderbedarf für die Grund- und Hauptschule
wurde größtenteils nicht anerkannt. Wir
bitten baldmöglichst die Mittel für die
dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen bereitzustellen.
Erfreulicherweise sind für die Durchführung
des Altennachmittags die entsprechenden Mittel eingestellt.
Park und Gartenanlagen
Der Sonderbedarf für die Baumkontrolle und den
Baumrückschnitt wurde nicht anerkannt.
Wir bitten um Erläuterung, wer z.B. die gesetzlich
vorgeschriebene Baumkontrolle übernimmt.
Gemeindestrassen
Wie vor wurde der Baumrückschnitt entlang der
Kirchheimer Str. nicht anerkannt?? Wir bitten um analoge
Vorgehensweise.
Der defekte Zaun Ecke Mörikestr. – Weiherstr.
stellt unserer Meinung nach ein erhöhtes Unfallrisiko
dar. Wir bitten die Verwaltung bzw. das entsprechende
Fachamt den Zaun auszubessern, bevor noch ein Unfall
passiert.
Wasserläufe, Wasserbau
Unterhaltung öffentlicher Gewässer
Auch hier wurden für die Baumpflege und Ufersanierung
entlang der Lindach die vorgesehenen Mittel nicht
anerkannt. Bleibt zu hoffen, dass kein Hochwasser
kommt.
Wir bitten die Verwaltung um Überprüfung
vor Ort.
Erfreulicherweise wurden im Außenbereich einige
Arbeiten für den Hochwasserschutz unternommen.
Wenn wir beim nächsten Hochwasser keine Überraschung
mehr erleben wollen, ist unserer Meinung nach eine
Kontrolle und ständige Pflege notwendig.
Herstellung eines Fußweges von der Schule zu
der Sportanlage Lehenäcker – nach wie vor
Bedarf vorhanden.
Thema Farrenstall – Wir bitten um zügige
Weiterentwicklung. Bei einem evtl. Verkauf würden
zusätzliche Einnahmen anstehen.
Ortsumgehung Jesingen – Die Verkehrsbelastung
nimmt ständig zu. Wohl wissend der Schwierigkeiten
dürfen wir dieses Thema keinesfalls aus den Augen
verlieren.
Fußgängerüberweg in der Holzmadener
Str. zur Sportanlage Lehenäcker. Von vielen Eltern
wurden wir auf das erhöhte Unfallrisiko hingewiesen.
Wir bitten dringend um Anbringung eines Zebrastreifens,
damit vor allem unsere Kinder die Straße sicherer
überqueren können.
Verkauf der städtischen Grundstücke im Leiblensbett
Der OR ist seiner Linie bis heute treu geblieben,
nur an Bewerber aus dem Stadtgebiet zu verkaufen.
Trotzdem wurden diese schneller abverkauft - dadurch
höhere Grundstückserlöse als in 2005
geplant.
Wir bitten den Endausbau Amselweg und Roggenäckerweg
baldmöglichst zu planen.
Verkehrsleitsystem, einheitliche Stadteingänge
sehen wir in Jesingen auch im Hinblick auf die Finanzsituation
der Stadt nicht als das dringendste Problem an. Auf
jeden Fall muss für die ehrenamtlich hergestellten
und an den Ortseingängen aufgestellten Vereinstafeln
eine einvernehmliche Lösung gefunden werden.
Nach unseren Informationen werden nicht alle eingestellten
Mittel des diesjährigen Haushalts abfließen.
Wir regen an, diese Mittel als Haushaltsrest in 2006
zu übertragen. Eventuell könnten sie für
die Sanierung der Küche Gemeindehalle übernommen
werden.
Zum Schluss ein sehr wichtiges Thema für die
Bürgerschaft Jesingens
Wiederbesetzung des hauptamtlichen Ortsvorstehers
Wir haben in Jesingen versucht, immer einen aktiven
Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten z.B.
Aufhebung Bauhof usw..
Jesingen braucht schnellstmöglich wieder einen
hauptamtlichen Ortsvorsteher für die Bürgerschaft
mit der Vielzahl an Vereinen. Wir bitten um die notwendige
Unterstützung bei der Verwaltung und spätestens
bis zur Dezembersitzung eine entsprechende Ausschreibung.
Wir haben unsere Visionen der Realität angepasst.
Trotzdem wollen wir mit Ihnen die Zukunft gestalten
und den sich daraus ergebenden Handlungsspielraum
voll nutzen - nach dem Motto
Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt,
der andere packt sie kräftig an und handelt.
Dante Alighieri
In diesem Sinne wünschen wir konstruktive Beratungen
zum Wohle unserer Bürgerschaft.
Bei den Mitarbeitern der Ortschaftsverwaltung möchte
ich mich im Namen der Freien Wähler für
die gute und zielorientierte Zusammenarbeit im vergangenen
Jahr bedanken und bei Ihnen, meine Damen und Herren,
bedanke ich mit für Ihre Aufmerksamkeit.