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› Haushaltsrede zum Haushaltsplanentwurf 2007

Ortschaftsrat Jesingen



Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrte Herr Bürgermeister,
meine Damen und Herren,

der Haushaltsplanentwurf der Stadt Kirchheim unter Teck hat sich auch dieses Jahr mit einem Gesamtvolumen von ca. 95 Mio. € gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht, wobei für den Verwaltungshaushalt ca. 83 Mio. € und für den Vermögenshaushalt ca. 12,1 Mio. € eingeplant sind. Erfreulicherweise erhöht sich auch die Zuführungsrate vom Verwaltungshaushalt auf ca. 1,3 Mio. €.

Bei der Beurteilung der allgemeinen Wirtschaftslage scheint nach Jahren eher düsteren Aussichten ein Wandel, wenn auch kein Richtungswechsel, aber zumindest eine Verlangsamung des Abwärtstrends, und ein Schritt in die richtige Richtung erkennbar. Bleibt zu hoffen, dass die Steuermehreinnahmen bei Bund, Länder, Städte und Gemeinden für die Rückführung der Neuverschuldung bzw. für den Abbau der exorbitanten Schuldenlast, speziell beim Bund, verwendet werden.
Es kann und darf nicht sein, dass wir auf dem Rücken kommender Generationen unser Dasein finanzieren.

Im vorliegenden Haushaltsplanentwurf ist aus unserer Sicht kein finanzieller Handlungsspielraum enthalten. Besonders die nach wie vor zu hohe Kreisumlage mit knapp 43 % nimmt unserer Stadt den dringend notwendigen finanziellen Handlungsspielraum. Eine Entspannung bei der Überwachung städtischer Einnahmen und Ausgaben ist deshalb nicht in Sicht.

Bei den Ausgaben stellen die städtischen Immobilien, Straßen, Brücken und das Kanalnetz einen enormen Kostenblock dar.



Zum Einen muss es uns gelingen die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen, bevor durch Unterlassen rechtzeitiger Sanierung Substanzverlust entsteht, der meist nur schwer und mit deutlich höheren Investitionen ausgeglichen werden kann und zum Anderen müssen die städtischen Immobilien auf ihre Notwendigkeit bzw. Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.
Der Ortschaftsrat ist der Meinung, dass auch in Jesingen Einsparungspotenzial vorhanden ist und hat dies unter Angabe der möglichen Immobilien bei der Kernverwaltung auch unter dem Thema Haushaltskonsolidierung mehrfach angesprochen.

Beim sensiblen Thema Steuererhöhung sind wir nach wie vor der Meinung, dass die Steuerschraube für die Bürgerinnen und Bürger bis aufs äußerste angespannt ist.

Um jedoch einen gewissen Kostendeckungsbeitrag zu erzielen, müssen Beitragsanpassungen wie z.B. im Bestattungswesen oder bei den Abwassergebühren vorgenommen werden.

Die Gewerbesteuereinnahmen sind erfreulicherweise gestiegen. Ein Aufwärtstrend bei den Betrieben scheint erkennbar. Um die dringend notwendige Investitionskraft bei den Betrieben nicht zu schwächen bzw. auch den Handlungsspielraum für die Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht zu gefährden, sind wir ausdrücklich gegen die Erhöhung der Gewerbesteuer.
Weiter ist anzumerken:
Das Gewerbegebiet Kruichling ist seit über 15 Jahren am Markt. Leider konnten nur knapp die Hälfte der städtischen Grundstücke veräußert werden. Der derzeitig maßvolle Hebesatz von 360 % Punkte kann im Wettbewerb der Städte bei der Standortentscheidung neuer Unternehmen von erheblicher Bedeutung sein. Angesichts der ungenutzten Flächen im Gewebegebiet Kruichling und der anheim gehenden Kostenbelastung leerstehender Gewerbegrundstücke für die Stadt wäre die Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben äußerst wünschenswert.

Doch nun zu unseren Anträgen, Wünschen bzw. Anregungen.

Auch dieses Jahr versuchten wir bei unseren Anträgen dem Ansinnen der Verwaltungsspitze nach Haushaltskonsolidierung und gesamtstädtischer Betrachtungsweise gerecht zu werden.


Leider haben wir Freien Wähler beim Thema hauptamtlicher Ortsvorsteher mit Ortschaftsverwaltung den Eindruck gewonnen, dass unsere Haushaltskonsolidierungsbemühungen im Entscheidungsprozess nicht die gewünschte Berücksichtigung findet.

Wir freuen uns, dass im Vermögenshaushalt nachfolgende Mittel eingestellt wurden:

1)Sanierung Grund- und Hauptschule Jesingen

Ansatz 2007 Mittel für die Fenstersanierung 150.000 €
Ansatz 2008 Dachsanierung, Wärmedämmung 175.000 €
Ansatz 2009 Wärmedämmung, Dachgeschoss 30.000 €

Ansätze 2008/ 2009 als Verpflichtungsermächtigung

2)Kindergarten Reußensteinstrasse

Ansatz 2007 restliche Fenstersanierung
mit Hauseingangstür 40.000 €

3)Sanierung Ortsmitte Jesingen
An Sanierungszuschüssen sind eingeplant:

Ansatz 2007 37.000 €
Ansatz 2008 43.000 €
Ansatz 2009 und 2010 jeweils 37.000 €

Planungsrate Straßenbau Ortsdurchfahrt

Ansatz 2008 20.000 €

Wir Freien Wähler haben grundsätzlich Bedenken am Erfolg vom Rückbau der Straßenbreite bzw. Einbau von Einbauten und Bäumen. Allerdings gibt es in der Bevölkerung auch Befürworter einer solchen Maßnahme. Um ein Zeichen zu setzen bzw. eine Diskussion anhand einer Planung über die Machbarkeit zu führen, regen wir an, die Planungsrate in 2007 vorzuziehen.

4)Bei der Mittelanmeldung Sonderbedarf Vermögenshaushalt sind wir der Meinung, dass im Feuerwehrgerätehaus zwar auf das Eingangstor verzichtet werden kann, nicht aber auf die Urinale.

Kosten hierfür 2.500 €

Sonderbedarf Verwaltungshaushalt

5)Bei der Grün- und Gewässerunterhaltung, Ufersanierung, Baumrückschnitt usw. sind unseres Erachtens zu geringe Mittel eingestellt

Antrag Erhöhung um 20.000 €

Anmerkung: Bevor wir daran denken z.B. entlang der Ortsdurchfahrt Neupflanzungen vornehmen zu wollen, sollten doch erst recht die Mittel für die Pflege vorhandener Bäume und Sträucher bereitgestellt werden.

6)Die Orgel für die neue Aussegnungshalle soll nun endlich zum Jahresbeginn eingebaut werden. Wir gehen davon aus, dass die notwendigen Mittel eingestellt sind.

7)Wir regen an, die erforderlichen Preventionsmaßnahmen für den Hochwasserschutz auch im Außenbereich vorzunehmen bzw. einzuplanen.

8)Sanierung Rathaus Jesingen

Wir möchten die Anregung von Herr Dr. Oediger, Planungsamt, gerne aufnehmen, auch in Anbetracht der Aufnahme ins Landessanierungsprogramm, nochmals darüber nachzudenken, wie unser Rathaus saniert bzw. zusätzlich genutzt werden könnte.
Es gibt gute Beispiele, wie Gebäude mit schlechterer Bausubstanz als unser Rathaus durch entsprechende Fachfirmen wieder sehr schön saniert wurden.

Anhand unserer maßvollen Anträge ist unschwer zu erkennen, dass die Freien Wähler auch dieses Jahr wieder einen aktiven Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten wollen.
Allerdings beim Thema Abschaffung des hauptamtlichen Ortsvorstehers und Umwandlung der Verwaltungsstelle in eine Servicestelle sehen wir praktisch kein wesentliches Einsparungspotenzial, das es rechtfertigen würde, den Bürgerinnen und Bürgern derartige Veränderungen zuzumuten. Bezüglich der tatsächlichen Einsparungen wurden unseres Erachtens von der Kernverwaltung bis jetzt noch keine nachvollziehbaren und prüfbaren Zahlen vorgelegt.




In vielen Gesprächen mit Jesinger Bürgerinnen und Bürger, besonders bei denjenigen, die verstärkt ehrenamtlich in den Vereinen, Gruppen und in der Feuerwehr tätig sind, kam zum Ausdruck, dass die Beibehaltung des hauptamtlichen Ortsvorstehers mit Verwaltungsstelle, wie im Eingliederungsvertrag festgelegt, gefordert wird.

Das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger in der vollbesetzten Gemeindehalle bei der Wahl von Herrn Züfle zum Ortsvorsteher unterstreicht diese Aussage.

Es bleibt festzustellen, dass besonders in Jesingen und Nabern im Verhältnis zur Stadt deutlich mehr Bürgerinnen und Bürger Mitglieder in Vereinen, Gruppen und in der Feuerwehr sind. Daraus resultiert mehr soziale Kontrolle, Kinder und Jugendliche werden in den Vereinen eingebunden. Besonders in schwierigen Lebensphasen erhalten sie nicht selten einen Ansprechpartner und entsprechende Hilfe.
Die Vereine leisten dadurch einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft.

Das alles ist mit Zahlen nur schwer belegbar, aber die Vorteile für unsere Gesellschaft sind unserer Meinung nach mit Sicherheit deutlich höher zu bewerten als die von der Verwaltung angenommenen Einsparungen.

Es müsste doch eigentlich vom Gemeinderat und von der Verwaltungsspitze die in der Vergangenheit stetigen Jesinger Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung - wie zum Beispiel die Auflösung des Jesinger Bauhofs - wahrgenommen werden und bei der Entscheidungsfindung entsprechend gewichtet werden.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, Sie haben in Ihrer Haushaltsrede zu unserem Bedauern Ihre Bemühungen zur Abschaffung bzw. Umwandlung der Ortschaftsverwaltungen in Servicestellen und der anheim gehenden Umwandlung der Stelle des hauptamtlichen Ortsvorstehers hin zu einem ehrenamtlichen Ortsvorsteher zum Ausdruck gebracht.

Vor knapp drei Jahren bei der seinerzeitigen OB Wahl haben Sie, Frau Oberbürgermeisterin, in einem Interview im Teckboten gesagt, dass unter Ihrer Führung die bestehenden Strukturen in Jesingen und Nabern nicht verändert werden und dass dies Kraft Eingliederungsvertrag nur durch eine Mehrheit im Ortschaftsrat geschehen kann.
Der Ortschaftsrat hat sich, wie Sie wissen, einstimmig für die Beibehaltung der derzeitigen Situation ausgesprochen. Mit Verwunderung müssen wir nun feststellen, dass die Eingemeindungs- verträge nicht mehr ernst genommen werden.

Angesichts einer solchen Meinungsänderung innerhalb kürzester Zeit braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Bürgerinnen und Bürger immer weniger Vertrauen in die Verlässlichkeit der Politik haben bzw. die Politikverdrossenheit zunimmt.

Wir Freien Wähler erachten es als Wählerauftrag, uns mit ganzer Kraft für den Erhalt der vorhandenen Strukturen einzusetzen.

Wir sind überzeugt, dass im Vermittlungsausschuss bzw. in der entscheidenden Abstimmung im Gemeinderat die berechtigten Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aus Jesingen entsprechend berücksichtigt werden.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, in Ihrer Haushaltsrede haben Sie das Spannungsverhältnis von Sparen und Gestalten angesprochen. Trotzdem denken wir, dass es immer noch Handlungsspielräume gibt, die wir konstruktiv und partnerschaftlich entsprechend unseres Wählerauftrags nutzen sollten.

In diesem Geist wünschen wir uns bei den anstehenden Haushaltsberatungen gutes Gelingen zum Wohl unserer Bürgerschaft.

Bei Herr Ortsvorsteher Züfle und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ortschaftsverwaltung möchte ich mich im Namen der Freien Wähler für die angenehme Zusammenarbeit im vergangenen Jahr bedanken und bei Ihnen, meine Damen und Herren, bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Freie Wähler Jesingen
Walter Feeß