Wie in jedem Jahr steht die Haushaltseinbringung der
Stadt Kirchheim wieder unter dem Zeichen eines rigorosen
Spardiktats und von allen Fraktionen in Gemeinderat
und Ortschaftsräten wird Augenmaß und Fingerspitzengefühl
erwartet, wenn es um ausgabenrelevante Forderungen
für die Kernstadt oder die Stadtteile geht. Die
Fraktion der Freien Wähler im Ötlinger Ortschaftsrat
hat bei all ihren Überlegungen zu den anstehenden
Beratungen die angespannte Haushaltslage der Stadt
im Blick behalten.
Wir wollen folglich heute Abend weder die Bodenhaftung
verlieren, noch ein wohltönendes „Wunschkonzert“
zelebrieren, das im Gemeinderat dann in einem groß
angelegten „Streichkonzert“ zusammengestutzt
würde.
Unbeschadet dessen sollen im folgenden unsere dezidierten
Vorstellungen von stadtteilorientierten politischen
Maßnahmen zum Ausdruck kommen, die es in den
kommenden Jahren anzupacken gilt.
Ende 2009 sollen bekanntlich die ersten S-Bahnzüge
in Richtung Kirchheim rollen, nachdem das Finanzierungskonzept
jetzt zu stehen scheint. Während die nötigen
Umbauten am Kirchheimer Bahnhof jedoch längst
in Angriff genommen worden sind, bleiben die flankierenden
Maßnahmen am Ötlinger Bahnhof noch in der
Schwebe. Da es nach unserem Verständnis in der
Kernstadt und im Vorort kein Bahnhofsumfeld „1.
und 2. Klasse“ geben darf, erwarten wir für
2006 ein klares Signal für das bereits in der
Schublade liegende Umbaukonzept des Büros Schöllkopf.
Wir könnten uns hier durchaus eine modulare Umsetzung
im Zeithorizont von 2008 – 2010 vorstellen.
Die Planansätze von insgesamt 500.000.- €
in den Jahren 2008-2010 und Folgejahre scheinen in
diese Richtung zu deuten. In einem ersten Schritt
sollten bereits in 2006 eine Reihe abschließbarer
Fahrradboxen zu moderatem Mietpreis installiert werden.
Ein großes Sorgenkind ist für uns die Eduard-Mörike-Halle.
Nachdem das Gespenst eines Fremdbetreibers zunächst
verscheucht schien, ergab sich mit der geplanten Mieterhöhung
für die Halle und der Mietneueinführung
für den Gymnastikraum überraschend eine
neue Situation. Unsere Einschätzung geht in diesem
Punkt dahin, dass durch die Erhöhung potenzielle
Mieter möglicherweise abgeschreckt werden und
aus dem Ganzen ein „Nullsummenspiel“ werden
könnte. Des weiteren sind wir der Auffassung,
dass auf der Grundlage einer abgespeckten Version
der Planung des Architekturbüros Dolde die dringlichsten
Nachrüstungen und Umbauten getätigt werden
sollten. Ob die für 2006 eingestellten 20.000.-€
an Planungsgeldern ausreichen werden, sei dahingestellt.
Es kann jedenfalls nicht sein, dass durch eine noch
größere Auslastung der bereits stark in
Anspruch genommenen Halle deren Bausubstanz vollends
ruiniert wird.
Eine kleine Spitze sei mir hier am Rande erlaubt:
neben der Naberner „Mega-Vision“ eines
2,8 Mio. Euro verschlingenden Neubaus für die
Gießnauhalle (siehe TB v. 13.10.05), nimmt sich
die Ötlinger Forderung nach einer Standard-Sanierung
der Eduard-Mörike-Halle geradezu zwergenhaft
bescheiden aus. Im Gegensatz zum „lobby-gestützten“
Vorpreschen der Naberner, das jedes Augenmaß
vermissen lässt, sind die Ötlinger Vorstellungen
in diesem Punkt absolut nachvollziehbar und nicht
zu widerlegen. De facto sind für die Gießnauhalle
im vorliegenden Planentwurf 2004 bzw. 2008 rund 700.000.-€
eingestellt, dazu kommen in 2009 und 2010 für
Umgebungsarbeiten weitere 165.000.-€ dazu. Im
Vergleich dazu wirkt die für 2006 vorgesehene
Planungsrate von 20.000.-€ für die EM-Halle
geradezu stiefmütterlich. Hier ist nach unserem
Dafürhalten eine echte Schieflage entstanden.
Zum Parkkonzept um die Eduard-Mörike-Schule hätten
wir die Anfrage, wann das erste der geplanten Module
angepackt wird. Zu lange sollte man hiermit nicht
zuwarten, denn wie der nächste Winter kommt die
nächste Großveranstaltung bestimmt.
Was die Aussegnungshalle angeht, so kann es in unseren
Augen nicht um eine Erweiterung mit Luxuscharakter
gehen. Beim Lokaltermin im September in Anwesenheit
von BM Riemer und Herrn Magdanz vom Grünflächenamt
wurden einschlägige Vorstellungen skizziert,
die alle Teile zufrieden stellen könnten und
im Ortschaftsrat zweifellos auch mehrheitsfähig
wären. Eine Realisierung in einem Zeitraum bis
2007 oder 2008 erscheint uns jedoch nötig. Im
Finanz- und Investitionsplan bis 2010 vermissen wir
hier jedoch die dazu nötigen Gelder.
Bei der Neuvergabe des nächsten Bauabschnitts
von Halde II sind wir insofern skeptisch, als uns
der Zuschnitt der Bauformen weiterhin nicht gefällt.
In unseren Augen droht hierbei wieder die Gefahr stockender
Vermarktung. Bei der Planung eines weiteren Bauabschnitts
sollte unserer Einschätzung nach unbedingt marktgerechter
verfahren und eine geringere Verdichtung angestrebt
werden. Um das nach der ursprünglichen Ausschreibung
„familienfreundliche und kostengünstige
Bauen“ zu ermöglichen, sollte auch einmal
die Erbpachtvariante ins Auge gefasst werden, die
ein Anbieter bereits diesmal im Programm hatte.
Mehr als einen „Sturm im Wasserglas“ entfachte
das Vorhaben der Stadtverwaltung, auf der Grundlage
eines Gutachtens des Büros Fahrion die Ortseingänge
zu vereinheitlichen, was auf Ötlingen bezogen
im schlimmsten Fall auch den Abbau der 1999 entstandenen
Ortseingangstafeln bedeuten würde. Diese wurden
seiner Zeit nach langem Beratungsaufwand, in vielen
ehrenamtlichen Arbeitsstunden, großem Engagement
und dank Sponsorengeldern erstellt und dürfen
mit Fug und Recht auch heute noch als gelungen gelten.
Sie abzubauen wäre in unseren Augen ein „Schwabenstreich“,
wie er im Buch steht.
Auf der anderen Seite sind wir nicht gegen ein einheitliches
Stadteingangsschild, jedoch nicht als ersatzweise,
sondern als komplementäre Maßnahme zu der
Ötlinger Ortseingangstafel.
Wir sehen mit Sorge, dass sich in der Ötlinger
Mitte in punkto „Marktplatz“ mangels Investor
nichts zu bewegen scheint. Der derzeitige Status quo
- dass nämlich diese Fläche zum gern angenommenen
Parkplatz mutiert – sollte auf unabsehbare Zeit
nicht das letzte Wort bleiben. Hier erwarten wir eine
Aussage zum derzeitigen Stand der Dinge.
Ähnlich verhält es sich mit dem ehemaligen
Müschenborn-Gelände, das man so langsam
als „etablierten Schandfleck“ oder „kommunale
Eiterbeule“ bezeichnen könnte. Wie sieht
es hier derzeit mit den Chancen einer Vermarktung
und nachfolgenden Bebauung aus?
Ein essentielles Anliegen ist für uns auch die
Sauberkeit in der Kernstadt und in den Stadtteilen.
Grünanlagen und Mittelinseln der Kreisverkehre
sollten ein einigermaßen ansehnliches Bild abgeben.
Die bereits erfolgten „Gemarkungsputzeten“
sind sicher eine gute Sache und auch die Implementierung
eines Bußgeldkatalogs für Umweltsünden
im Stadtgebiet finden wir wichtig und richtig. Kopfzerbrechen
bereitet uns allerdings die Kontrolle und das Eintreiben
der Gelder. Der derzeitige Bestand an Politessen und
Ordnungskräften wird dazu sicher nicht ausreichen.
Nach aller Erfahrung steht und fällt jedoch die
Androhung einer Strafe mit der Effizienz ihres Vollzugs.
Generell beängstigend finden wir den zunehmenden
Vandalismus in unserem Stadtteil. So wurde die Stele
auf dem Farrenstall-Gelände zum wiederholten
Mal schwer beschädigt und der Verschmutzungsgrad
zum Beispiel des Jugendtreffs nimmt ständig zu.
Wir möchten nicht unterstellen, dass der Abzug
des Ötlinger Polizeipostens hiermit ursächlich
verbunden sein könnte, aber etwas nachdenklich
geworden sind wir schon. Jedenfalls sollten Schadensverursacher
und potenzielle Vandalen durch verstärkte Bestreifung
dieser „Brennpunkte“ verunsichert und,
falls man sie ertappt, auch ganz empfindlich bestraft
werden. Der in Deutschland lange verpönte „Null-Toleranz“-Gedanke
drängt sich nach der Entwicklung der letzten
Jahre auch bei uns geradezu auf!
Und zum Schluss ein ureigenstes Anliegen der Freien
Wähler im Ortschaftsrat: das Radwegstück
zwischen Wieland- und Hegelstraße.
Wie allseits bekannt, ist ja die Variante auf dem
alten Industriegleis im Bereich der Lenaustraße
im Gemeinderat nicht zum Zug gekommen. Es sollte aber
überprüft werden, ob nicht wenigstens das
zusammen mit dem Bebauungsplan „Dillen“
beschlossene Radwegtrassenstück auf dem ehemaligen
Industriegleis zwischen Wieland- und Hegelstraße
spätestens in 2007 und 2008 in Angriff genommen
werden könnte. Es wäre eine um vieles sicherere
Radwegführung als der Kombi-Rad-Fußweg
entlang der Stuttgarter Straße, zumal sich in
letzter Zeit auf diesem wieder Kollisionen zwischen
Autofahrern und Radfahrern ereignet haben. Dass für
die Maßnahme erst in 2009 ein Betrag von 20.000.-€
eingestellt wurde, halten wir für einen Schritt
in die falsche Richtung.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
Dr. Ernst Kemmner – Dr. Herbert Landthaler –
Klaus Moosmann