Bücherei kommt doch in sanierte Zehntscheuer
Weissacher Gemeinderat entscheidet sich gegen alternative Standorte -
Pläne für ein Hotel in der neuen Strickfabrik überraschen Von Andreas Tief, LKZ, 14.08.2008
Weissach. Die Zehntscheuer in der Weissacher Hirschstraße wird nun endgültig zu einer Bücherei umgebaut. Dafür hat sich am Dienstagabend eine deutliche Mehrheit des Gemeinderates ausgesprochen, nachdem auch verschiedene Alternativen geprüft worden waren.
Genau vier Wochen nach seiner letzten Sitzung hat der Gemeinderat damit seine eigenen Zweifel über die künftige Nutzung der Zehntscheuer ausgeräumt. Diese waren aufgekommen, weil die ursprünglich angenommenen 1,9 Millionen Euro für die Sanierung der Zehntscheuer nicht ausreichen werden. Das Ingenieurbüro Ebök hatte vorgerechnet, dass für den Umbau Kosten von rund 2,75 Millionen Euro zu erwarten seien. Die Sanierung werde deshalb teurer, weil für die große Last der Bücher die Statik des von 1793 stammenden Gebäudes verbessert werden müsse.
Dies schien einigen Gemeinderäten zu viel, auch wenn die Gemeinde eine Zusage für einen Landeszu schuss in Höhe von 800 000 Euro hat. Sie forderten von der Verwaltung alternative Vorschläge für den Standort einer modernisierten Bücherei, die zurzeit in der Porsche-Schule untergebracht ist.Ins Gespräch gebracht wurde auch die alte Strickfabrik, die derzeit für fast neun Millionen Euro zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum umgebaut wird.
Ortsbaumeister Klaus Lepelmann stellte am Dienstag verschiedene Überlegungen vor und nannte weitere denkbare Standorte für die Bücherei: das Gebäude der neuen Strick- fabrik, die Porsche-Schule oder gar ein Neubau an ganz anderer Stelle.
Die Verwaltung favorisierte dabei nach wie vor die Zehntscheuer oder das ebenfalls der Gemeinde gehörende neue Strickfabrikgebäude. Der dort noch untergebrachte Fabrikverkauf ende demnächst, neue Mieter seien nicht in Sicht, so Lepelmann. Eine Bücherei im Erdgeschoss würde sich auch mit einer Nutzung des Gebäudes als Hotel mit etwa 30 Doppelzimmern vertragen, überraschte der Ortsbaumeister manchen im Gremium.
Aufgrund der fortgeschrittenen Sanierung der alten Strickfabrik, die zum Jahresende fertig sein soll, riet die Verwaltung von einer Umplanung an dieser Stelle ab. Diese würde auch zulasten des jetzigen Raumprogrammes mit Jugendclub, Volkshochschul- und Veranstaltungsräumen gehen. Zudem bliebe dann wie bei einem Neubau offen, was mit der Zehntscheuer passieren solle.
FWV-Fraktionschef Wolfgang Gohl, angesichts der Kostenentwicklung zuletzt von Zweifeln geplagt, räumte die Vorteile der Zehntscheuer ein. Sein Kollege Volker Kühnemann fasste es in klare Worte: "Für mich ist die Zehntscheuer der beste Standort."
Gerhard Mann (Unabhängige Liste) gab sich überzeugt: "Wir schaffen hier ein Juwel mitten im Ort, das auch für alte Leute gut zu erreichen ist." Auch die Bürgerliste sprach sich für diese Lösung aus, mit einer Einschränkung. Weil das Raumangebot des alten Gebäudes größer ist als benötigt, sollten im Dachgeschoss Wohnungen geplant werden, regte Fraktionschef Martin Jäckle an. So könnten die laufenden Kosten für Energie und Hausmeister begrenzt werden. Dieser Idee folgte das Gremium nicht. Dagegen wurde die Zehntscheuer gegen vier Stimmen als künftiger Büchereistandort bestätigt.