Grundsaetze Kontakt Impressum
 
   
‹‹ zur Region
   
Weissach-Flacht
   Themen
   Aktuell
   Termine
   Ortsverband
  Gremien
   Archiv
   Wahlen
   Kontakt
   Links
 
› Presse

 

Strohgäubahn steht in Weissach vor dem Aus

Die Sanierung der Strecke und die Betriebskosten sind zu teuer - künftig fährt der Zug wohl nur noch bis Heimerdingen
Von Stefan Bolz, LKZ, 01.04.2009

 

Weissach. Lange Gesichter im Weissacher Gemeinderat: so gerne hätte man das "Bähnle" im Ort gehalten - doch die Zahlen, die dem Rat nun vorliegen, sprechen eine andere Sprache. Das Rumpeln der Züge im Weissacher Bahnhof gehört wohl bald der Vergangenheit an.


Im Juli 2006 haben die Weissacher noch mit vielen Gästen den 100. Geburtstag der Strohgäubahn gefeiert. Es war wohl das letzte Jubiläum für die Bahn an ihrem bisherigen Endpunkt. Denn nicht einmal das reiche Weissach will in die maroden Schienen investieren - und auch nichts zu den zu erwartenden hohen Betriebskosten beitragen.


Dabei ist den Weissachern ihre Strohgäubahn alles andere als gleichgültig. Die Bürgermeisterin Ursula Kreutel hatte den Gemeinderat am Montagabend sogar zu einer Sondersitzung geladen. Am Anfang stand dabei das Gutachten des Büros Intraplan Consult, dessen Kosten-Nutzen-Analyse für den Streckenabschnitt Weissach-Heimerdingen inzwischen vorliegt.


Der Wirtschaftswissenschaftler Martin Arnold präsentierte den Räten dabei drei Varianten. Die Verkehrsexperten von Intraplan hatten sich angesehen, was es brächte, die Strohgäubahn von Weissach bis Feuerbach im 30-Minuten-Takt durchfahren zu lassen. Weitere Szenarien waren eine durchgehende Verbindung nur in den Hauptverkehrszeiten sowie eine Verbindung von Weissach nach Korntal, wobei die Züge ebenfalls in den Hauptverkehrszeiten bis Weissach, sonst aber nur bis Heimerdingen fahren.


In die Berechnungen ist dabei eine ganze Reihe von Faktoren eingeflossen, von der Bedeutung der Bahn für den Schülertransport über die Zahl der Fahrten, die vom Auto auf die Schiene verlagert werden, bis zum "Reisezeitnutzen" für die Fahrgäste. Dem stehen die Anschaffungs- und Betriebskosten sowie die ökologischen Folgen gegenüber. "Im Kern geht es um die Frage, ob es sinnvoll ist, öffentliche Gelder für ein Verkehrsprojekt auszugeben", fasste Arnold zusammen.


Das Ergebnis fällt für die Weissacher Bahnanbindung ernüchternd aus: Steht am Ende der Untersuchung ein Wert von mindestens 1, gibt es Fördermittel vom Land. Um wirtschaftlich auf sicheren Füßen zu stehen, sollte ein Projekt sogar mit einem Wert von mehr als 1 bewertet werden. Für die drei Varianten in Weissach kommen Werte zwischen 0,14 und 0,16 heraus - "das ist definitiv zu wenig", stellte Ursula Kreutel fest. Zumal die Bahnverbindung auch ökologische Nachteile hat. Um die wenigen Fahrgäste zu transportieren, würde eine Diesellok bis zu sieben Mal mehr Kohlendioxid in die Luft blasen als eine entsprechende Menge Autos, haben die Fachleute errechnet.


Im Gemeinderat war man sich deshalb auch rasch einig: Angesichts der Zahlen sei ein weiterer Betrieb der Bahnstrecke Weissach-Heimerdingen nicht sinnvoll, sagte Martin Jäckle von der Bürgerliste. "Emotional tut das natürlich weh", ergänzte der UL/SPD-Gemeinderat Gerhard Mann. Doch angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung könne man sich die nötigen Subventionen womöglich auch in Weissach bald nicht mehr leisten, gab Volker Kühnemann von den Freien Wählern zu bedenken.


Weil all dies aber eine "Momentaufnahme" (Gerhard Mann) sei, will Weissach nun wenigstens die Strecke erhalten und den Gleiskörper kaufen. Dies würde eine formale "Entwidmung" verhindern - was es leichter macht, den Bahnverkehr später wiederaufzunehmen. Bis dahin soll geprüft werden, ob sich die Strecke für den Betrieb einer Museumsbahn wie den Feurigen Elias eignet, und was dies kosten würde. Fachleute gehen von etwa 12 000 Euro pro Streckenkilometer und Jahr aus. Immerhin, so der Verkehrsdirektor des Regionalverbands, Jürgen Wurmthaler, gehe es auf der Kernstrecke der Strohgäubahn weiter. Und wenn sich die Fahrgastzahlen der S-Bahn weiter so positiv entwickeln, könnte es zwischen Korntal und Feuerbach bald eng in den Zügen werden. Dann wäre sicher auch die Weiterführung der Strohgäubahn nach Feuerbach wieder ein Thema.